Wer einem Imker bei der Arbeit mal über die Schulter geschaut oder einen Blick durch das Sichtfenster der easyBeeBox gemacht hat wird sich vielleicht gefragt haben: ,,Wie ist so ein Bienenvolk eigentlich organisiert? Woher weiß jede einzelne Biene was Ihre Aufgabe ist und kann jede Biene eigentlich alles?’’

Beim Beobachten eines Volks sieht man erstmal nicht viel, außer ein wildes Durcheinander mit vielen gleichaussehenden Bienen. Ein Bienenvolk besteht, je nach Größe der Behausung und Alter, aus 8.000 bis 80.000 Bienen. Um sich das besser vorstellen zu können ist hier ein Vergleich. Die easyBeeBox bietet dem Bienenvolk ein Volumen von 40 Litern. Voll ausgebaut, befinden sich dann ca. 35.000 bis 40.000 Bienen im Volk. Bei einem Imker mit einer Magazinbeute sieht das wiederum ganz anders aus. Dort kann der Raum auch 150 Litern groß werden und 70.000 bis 80.000 Bienen Platz bieten. Damit bei so vielen Tieren kein Chaos ausbricht, gibt es die drei Bienenwesen, die unterschiedliche Aufgaben haben.

  • Eine Königin (Mutter)
  • 8.000 bis 80.000 Arbeiterinnen (Töchter)
  • 500 bis 1.000 Drohnen (Söhne)

Die Bienenkönigin, in der Fachsprache auch Weisel genannt, ist die einzige Biene im Volk, die Eier legen kann. Sie ist somit maßgeblich für das Fortbestehen des Bienenvolks verantwortlich. Wenn du wissen möchtest, wie aus einem Ei eine Königin wird, dann schaue in unserem Artikel ,,Die Bienenmade" vorbei.

Ein bis zwei Wochen nachdem die Königin geschlüpft ist, paart sie sich während dieser einmaligen Zeit mit ca. 10-25 Drohnen. Dabei wird sie von verschiedenen Drohnen aus unterschiedlichen Bienenvölkern begattet. So gelangt neues Erbgut in das Bienenvolk und erhöht die biologische Fitness. Die Königin trägt das gesammelte Sperma in ihrer Sammelblase. Dieser Vorrat reicht bis zum Ende ihres Lebens, das sind bis zu 5 Jahre. Nachdem die Bienenkönigin von ihrem Hochzeitsflug zurückgekehrt ist, beginnt sie sofort mit dem Legen von Eiern. Bis zu 2.000 Eier am Tag kann eine Königin legen. Auf dem Video kann man dies sehr gut erkennen. Allerdings legt sie nicht immer die gleichen Eier. Sie entscheidet selber, ob sie befruchtete Eier legt, aus denen später weibliche Bienen (Arbeiterinnen) entstehen oder unbefruchtete Eier legt, aus denen Drohnen schlüpfen. Des Weiteren sondert die Königin Weiselpheromone ab. Diese wirken anziehend auf die Arbeiterinnen und hemmend auf die Entwicklung ihrer Eierstöcke. Sie regen die Baulust der Arbeiterinnen an und wirken als Sexualduft auf die Drohnen beim Paarungsflug. Vermutlich findet so eine sehr komplexe Duftkommunikation unter den Bienen statt.

Die Arbeiterbienen sind wie die Königin weiblich. Im Gegensatz zur Weisel haben sie keine ausgebildeten Geschlechtsorgane, aber ausgebildete Sammelwerkzeuge: Körbchen mit langen Haaren zum Pollensammeln an den Hinterbeinen, lange Rüssel zum Nektarsammeln. Sie sind nicht begattungsfähig und können beim Fehlen der Königin nur unbefruchtete Eier legen. Aus diesen schlüpfen dann Drohnen. Daher kann ein Bienenvolk ohne Königin nicht überleben. Solange in einem Bienenvolk ohne Königin noch befruchtete Eier oder junge Maden sind, können die Arbeiterbienen jederzeit durch die Futterumstellung auf das sogenannte ,,Gelee Royal’’, eine neue Königin heranziehen. So kann das Volk weiterbestehen.

Die Arbeiterinnen schlüpfen nach 21 Tagen und beginnen sofort mit der Arbeit. Welche Tätigkeiten sie wann machen müssen
hängt von ihrem Alter ab.

Lebenstag Bezeichnung Aufgaben im Bienenvolk
1. bis 3. Tag Putzbiene
  • Säuberung der Zellen, aus denen Bienen geschlüpft sind
  • Versieht die Zellen mit einem dünnen Propolisfilm, um sie für die neue Eiablage der Königin herzurichten
  • Nahrung wird in Wärmeenergie umgewandelt, um die Brut zu heizen
4. bis 11. Tag Ammenbiene
  • Vorbereitung der Pollennahrung für die Larven und deren Versorgung
  • Futtersaftdrüsen sind im Kopf der Biene entwickelt
  • Versorgung der allerjüngsten Larven und Versorgung der Königin mit Futtersaft
12. bis 14. Tag Baubiene
  • Ausscheidung von Wachs, Bau von Waben und Verdeckeln der Brut
15. bis 19. Tag Wächterbiene
  • Wachbiene am Eingang des Bienenstocks
  • Vorbereitung zur Trachtbiene
  • Futtersaft- und Wachdrüsen bilden sich zurück
ab 21. Tag
  • Sammlerin
  • Kundschafterin
  • Belüfterin
  • Herstellerin von Honig
  • Sammelt Pollen, Wasser und Nektar, stellt Propolis her und verarbeitet Nektar und Honigtau zu Honig

Wie lange eine Arbeiterin lebt hängt davon ab, ob sie im Sommer oder im Winter geboren wird. Die sogenannten ,,Sommerbienen’’ leben nur vier bis acht Wochen, während die ,,Winterbienen’’ sechs Monate leben. Dieser deutliche Unterschied erklärt sich durch die Arbeitsintensität in den Jahreszeiten. Im Sommer müssen deutlich mehr Tätigkeiten erledigt werden und es wird viel geflogen. Das strengt die Bienen an und verkürzt deren Lebenszeit. Im Winter sind die Bienen im Volk weniger aktiv und besitzen größere Energiereserven. Denn sie müssen durch Muskelkontraktion die Wintertraube (so nennt man es, wenn das Bienenvolk eine dichte Kugel bildet) wärmen.

Die Drohnen sind die männlichen Geschlechtstiere in einem Bienenvolk. Drohnen schlüpfen im Frühsommer nach 24 Tagen aus den unbefruchteten Eiern. Da die Drohnen ohne Vater entstehen, nennt man diese Art der Fortpflanzung ,,Jungfernzeugung’’. Die Drohnen haben im Gegensatz zu den Arbeiterinnen nur eine Aufgabe. Sie müssen eine Königin begatten. Für alle anderen Aufgaben fehlen den Drohnen die erforderlichen Organe. Drohnen werden zu Beginn ihrer Lebenszeit von den Arbeiterinnen gefüttert, bis sie nach 10 bis 14 Tagen geschlechtsreif sind. Danach verlassen sie den Bienenstock, um eine Königin zu begatten. Wenn sie erfolgreich waren, endet ihr Leben sofort. Drohnen die keinen Erfolg hatten, kommen wieder zu ihrem Bienenvolk zurück. Dort werden sie weiter gefüttert und schließlich im Spätsommer herausgeworfen.

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